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Warum ist auch der kleine Mann korrupt?
Korrupt sein, bestechlich sein!
Ein Mann geht in ein Amt, um verschiedene amtliche
Angelegenheiten zu erledigen. Dort läuft ihm einer seiner alten
Schulkameraden über den Weg. Schnell erkundigt man sich über das Verbleiben
des anderen, ein angeregtes Gespräch entsteht, alte Sympathien werden wieder
aufgefrischt.
- Was machst
du hier?
- Ich arbeite
in der Abteilung …….. . Und du?
- Ich muss
…………. erledigen.
- Oh, dann
kommst du sowieso zu mir. Komm in mein Büro! Trinken wir erst einmal einen
Kaffee!
Die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Nähe zum Bürger
macht den Staatsapparat menschlicher. Nach 2 Stunden Gespräch ist alles
erledigt und der Mann geht zufrieden nach Hause. Hätte er seinen Bekannten
nicht getroffen, hätte die ganze Sache Wochen gedauert. Andere illegale
Dienstleistungen nimmt er dieses Mal nicht in Anspruch. Aber er weiß genau,
dass er bei der nächsten Kirchweih seinen wiedergefundenen Bekannten zu einem
Bier einladen wird.
Bei dieser Gelegenheit beklagt sich der Beamte, dass
……..in seiner Wohnung nicht funktioniert, und weil der Zivilist in jenem
Beruf tätig ist, hilft er ihm gern weiter, und dies natürlich ohne eine
Rechnung, weil es auf diese Weise wesentlich billiger ist. „Eine Hand wäscht
die andere!“
Korrupt? Bestechlich? Natürlich! Der eine spart Geld, der
andere Zeit. Welche Vorteile hätten sie auch, wenn sie immer alles legal
erledigen und bezahlen würden?
Beide waren 3 Jahre in den Kindergarten und 12 Jahre in
die Schule gegangen, um nichts weiter als Schreiben und lesen zu lernen, die
Lüge „Alle Bürger bilden den Staat“, und natürlich, was man als „anständiger
Bürger“ nicht tun darf, oder auf jeden Fall befolgen muss. Dann kam der
Militärdienst, während dessen man einen lehrte, ohne nachzudenken Befehle
auszuführen. Dann besuchten sie die Universität, in der gelernt wird, wie man
Füße küsst, um nach oben zu kommen. Für wirklich anwendbares Wissen hatten
ihre Eltern einen Privatlehrer bezahlt und sie selbst sich die eine oder
andere Nacht mit Büchern um die Ohren geschlagen. Handwerkliche Dinge lernten
sie in Großvaters Hauswerkstatt in der Garage und Garten oder in der Fabrik
in der sie weitergebildet wurden.
Als die Großmutter sterbenskrank im Krankenhaus lag, und
die Angehörigen ihre Sorge vielleicht ein bisschen übermäßig, aber auf
natürliche Weise zeigten, wurden sie damit zurechtgewiesen, dass man auch
noch andere Patienten habe.
Im ersten Weltkrieg waren der Großvater, im zweiten
Weltkrieg der Vater an vorderster Front „für das Vaterland“ gefallen, während
der Bürgermeister und sein Sohn als Offiziere im Hinterland ihren Dienst
leisteten und natürlich beide heil zurückkamen. Während der Faschistenzeit
waren jene hohe Funktionäre gewesen, auch während des Kommunismus fühlten sie
sich wohl, und jetzt verdienten sie ihr Brot nicht gerade mit Handarbeit.
Die Leute, die öffentliche Ausschreibungen gewinnen sind
mit dem Bürgermeister per Du. Steuererklärungen und „von der Steuer
abschreiben“ haben für den kleinen Mann keinerlei Bedeutung, und wenn er
wirklich einmal den Mund aufmacht, weil er irgendeinen Schwindel durchschaut,
wird ihm von oben und sonntags in der Kirche gesagt, dass er sein Wahlrecht
eigentlich nicht verdient habe, weil er sowieso nichts zum Allgemeinwohl
beitrage.
Nach dieser Belehrung über seine Stellung in der
Gesellschaft zieht sich der kleine Mann zurück und versucht mit seinen
bescheidenen Überlebenstricks über die Runden zu kommen.
Als sein Sohn nachts total betrunken auf den Traktor des
Großbauern stieg und den Zündschlüssel suchte, wurde er wegen Diebstahl
verurteilt, während der Sohn des Bürgermeisters für etwas Ähnliches in der
nächstgrößeren Stadt bei Verwandten untertauchte.
Als Kind wurde der kleine Mann immer von seiner Mutter
ermahnt, ehrlich und anständig zu bleiben. Dafür hält er sich auch. Aber mit
dem Polizisten, mit dem er in die gleiche Schulklasse ging, verbindet ihn
heute nur noch wenig. Jener sucht lieber die Freundschaft des Bürgermeisters.
Freunde hat der kleine Mann in der Kneipe, wenn er eine
Runde ausgibt, oder nach der Lohnauszahlung ein größeres Trinkgeld springen
lässt, weil er davon ausgeht, dass alle von irgendetwas leben müssen.
Wenigstens wissen andere kleine Leute die Größe des Opfers zu schätzen.
Und dann hat er es bis zum Rentenalter geschafft, jetzt
ist er frei. Aber nein! Ihm wird gesagt, dass es zu viele alte Leute gibt,
dass die Leute heute länger leben, und der „Vater Staat“ deshalb kein Geld
mehr hat. Das Rentenalter wurde heraufgesetzt und die Höhe des Rentengeldes
heruntergesetzt. Hat er nicht ein ganzes Leben lang in die Rentenkasse
einbezahlt, um einen ruhigen Lebensabend zu genießen? Oder waren das auch nur
Steuern?
Warum hast du keine private Rentenversicherung neben der
staatlichen abgeschlossen? – wird er gefragt. Hat der Frager zwei
Versicherungen für sein Auto oder für sein Haus? Oder hat er vielleicht zwei
Autos oder zwei Häuser?
Hätte der kleine Mann so etwas getan, würde man ihn wegen
Vertragsbruchs oder Betrugs verurteilen. Natürlich hat der Elitist zwei
Häuser, zwei Autos und mindestens zwei Rentenversicherungen. Als kleiner Mann
hat man, wenn überhaupt nur einen alten Gebrauchtwagen und eine Mietwohnung.
Und an die Rente denkt man erst dann, wenn sie da ist, weil man im Alltag
ganz andere Sorgen hat und nicht glaubt, dass man es gar so weit schaffen
könnte. Aber zu seinem Pech hat er es geschafft. Deshalb kann er jetzt auch
noch erfahren, nicht nur, was es heißt, überflüssig, sondern geradezu störend
zu sein. Bald wird er sich nach dem Friedhof sehnen. Was für eine Bezeichnung
für den letzten Ruheplatz.
All dies klingt sehr allgemein, populistisch und
abgedroschen! Aber es besitzt verblüffende Ähnlichkeit mit den alltäglichen
Erfahrungen des kleinen Mannes.
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Warum ist auch der kleine Mann bestechlich?
Sunday, 4 October 2015
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