Sunday, 4 October 2015

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Warum ist auch der kleine Mann korrupt?
Korrupt sein, bestechlich sein!

Ein Mann geht in ein Amt, um verschiedene amtliche Angelegenheiten zu erledigen. Dort läuft ihm einer seiner alten Schulkameraden über den Weg. Schnell erkundigt man sich über das Verbleiben des anderen, ein angeregtes Gespräch entsteht, alte Sympathien werden wieder aufgefrischt.
-       Was machst du hier?
-       Ich arbeite in der Abteilung …….. . Und du?
-       Ich muss …………. erledigen.
-       Oh, dann kommst du sowieso zu mir. Komm in mein Büro! Trinken wir erst einmal einen Kaffee!
Die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Nähe zum Bürger macht den Staatsapparat menschlicher. Nach 2 Stunden Gespräch ist alles erledigt und der Mann geht zufrieden nach Hause. Hätte er seinen Bekannten nicht getroffen, hätte die ganze Sache Wochen gedauert. Andere illegale Dienstleistungen nimmt er dieses Mal nicht in Anspruch. Aber er weiß genau, dass er bei der nächsten Kirchweih seinen wiedergefundenen Bekannten zu einem Bier einladen wird.
Bei dieser Gelegenheit beklagt sich der Beamte, dass ……..in seiner Wohnung nicht funktioniert, und weil der Zivilist in jenem Beruf tätig ist, hilft er ihm gern weiter, und dies natürlich ohne eine Rechnung, weil es auf diese Weise wesentlich billiger ist. „Eine Hand wäscht die andere!“
Korrupt? Bestechlich? Natürlich! Der eine spart Geld, der andere Zeit. Welche Vorteile hätten sie auch, wenn sie immer alles legal erledigen und bezahlen würden?
Beide waren 3 Jahre in den Kindergarten und 12 Jahre in die Schule gegangen, um nichts weiter als Schreiben und lesen zu lernen, die Lüge „Alle Bürger bilden den Staat“, und natürlich, was man als „anständiger Bürger“ nicht tun darf, oder auf jeden Fall befolgen muss. Dann kam der Militärdienst, während dessen man einen lehrte, ohne nachzudenken Befehle auszuführen. Dann besuchten sie die Universität, in der gelernt wird, wie man Füße küsst, um nach oben zu kommen. Für wirklich anwendbares Wissen hatten ihre Eltern einen Privatlehrer bezahlt und sie selbst sich die eine oder andere Nacht mit Büchern um die Ohren geschlagen. Handwerkliche Dinge lernten sie in Großvaters Hauswerkstatt in der Garage und Garten oder in der Fabrik in der sie weitergebildet wurden.
Als die Großmutter sterbenskrank im Krankenhaus lag, und die Angehörigen ihre Sorge vielleicht ein bisschen übermäßig, aber auf natürliche Weise zeigten, wurden sie damit zurechtgewiesen, dass man auch noch andere Patienten habe.
Im ersten Weltkrieg waren der Großvater, im zweiten Weltkrieg der Vater an vorderster Front „für das Vaterland“ gefallen, während der Bürgermeister und sein Sohn als Offiziere im Hinterland ihren Dienst leisteten und natürlich beide heil zurückkamen. Während der Faschistenzeit waren jene hohe Funktionäre gewesen, auch während des Kommunismus fühlten sie sich wohl, und jetzt verdienten sie ihr Brot nicht gerade mit Handarbeit.
Die Leute, die öffentliche Ausschreibungen gewinnen sind mit dem Bürgermeister per Du. Steuererklärungen und „von der Steuer abschreiben“ haben für den kleinen Mann keinerlei Bedeutung, und wenn er wirklich einmal den Mund aufmacht, weil er irgendeinen Schwindel durchschaut, wird ihm von oben und sonntags in der Kirche gesagt, dass er sein Wahlrecht eigentlich nicht verdient habe, weil er sowieso nichts zum Allgemeinwohl beitrage.
Nach dieser Belehrung über seine Stellung in der Gesellschaft zieht sich der kleine Mann zurück und versucht mit seinen bescheidenen Überlebenstricks über die Runden zu kommen.
Als sein Sohn nachts total betrunken auf den Traktor des Großbauern stieg und den Zündschlüssel suchte, wurde er wegen Diebstahl verurteilt, während der Sohn des Bürgermeisters für etwas Ähnliches in der nächstgrößeren Stadt bei Verwandten untertauchte.
Als Kind wurde der kleine Mann immer von seiner Mutter ermahnt, ehrlich und anständig zu bleiben. Dafür hält er sich auch. Aber mit dem Polizisten, mit dem er in die gleiche Schulklasse ging, verbindet ihn heute nur noch wenig. Jener sucht lieber die Freundschaft des Bürgermeisters.
Freunde hat der kleine Mann in der Kneipe, wenn er eine Runde ausgibt, oder nach der Lohnauszahlung ein größeres Trinkgeld springen lässt, weil er davon ausgeht, dass alle von irgendetwas leben müssen. Wenigstens wissen andere kleine Leute die Größe des Opfers zu schätzen.
Und dann hat er es bis zum Rentenalter geschafft, jetzt ist er frei. Aber nein! Ihm wird gesagt, dass es zu viele alte Leute gibt, dass die Leute heute länger leben, und der „Vater Staat“ deshalb kein Geld mehr hat. Das Rentenalter wurde heraufgesetzt und die Höhe des Rentengeldes heruntergesetzt. Hat er nicht ein ganzes Leben lang in die Rentenkasse einbezahlt, um einen ruhigen Lebensabend zu genießen? Oder waren das auch nur Steuern?
Warum hast du keine private Rentenversicherung neben der staatlichen abgeschlossen? – wird er gefragt. Hat der Frager zwei Versicherungen für sein Auto oder für sein Haus? Oder hat er vielleicht zwei Autos oder zwei Häuser?
Hätte der kleine Mann so etwas getan, würde man ihn wegen Vertragsbruchs oder Betrugs verurteilen. Natürlich hat der Elitist zwei Häuser, zwei Autos und mindestens zwei Rentenversicherungen. Als kleiner Mann hat man, wenn überhaupt nur einen alten Gebrauchtwagen und eine Mietwohnung. Und an die Rente denkt man erst dann, wenn sie da ist, weil man im Alltag ganz andere Sorgen hat und nicht glaubt, dass man es gar so weit schaffen könnte. Aber zu seinem Pech hat er es geschafft. Deshalb kann er jetzt auch noch erfahren, nicht nur, was es heißt, überflüssig, sondern geradezu störend zu sein. Bald wird er sich nach dem Friedhof sehnen. Was für eine Bezeichnung für den letzten Ruheplatz.
All dies klingt sehr allgemein, populistisch und abgedroschen! Aber es besitzt verblüffende Ähnlichkeit mit den alltäglichen Erfahrungen des kleinen Mannes.

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